Meine Kurzgeschichten

Die Schatzkiste

Bewaffnet mit einer Taschenlampe und einer „Schatzkarte“ schleicht eine Gestalt leise durch die Dunkelheit des unbewohnten Hauses. Sie sucht nach einem verborgenen Schatz. Zielsicher durchquert sie den Flur. Die Treppenstufen seufzen genüsslich bei jedem seiner Schritte. Der Eindringling betritt einen Raum neben der Stiege, beleuchtet mit seiner Taschenlampe   jeden Winkel. Nichts – auf Zehenspitzen hastet er weiter. Das alte Gebälk im Giebel knarrt. Ängstlich schaut er sich um. Da…, ein Schatten an der Wand. Eine Klauenhand, versucht ihn zu fassen, in der anderen hält sie einen langen Gegenstand. Panisch kreischend macht er einen Satz nach vorn. Der Peiniger ist der nächtliche Besucher dicht auf den Fersen. Eine vor dem Haus stehende Straßenlaterne erhellt die Szene. Erleichtert seufzend und nervös kichernd erkennt er seinen Verfolger.

Am Ende des Flurs öffnet der Schatzsucher die letzte Tür. Leise quietscht sie in ihren Angeln. Die altersschwachen Dielen stöhnen unter seiner Last. Im Kamin lodert ein kleines Feuer, in dessen spärlichen Licht wiegt ein Schaukelstuhl eine Person. Der Besucher sieht über der Rückenlehne einzelne vorwitzig hoch stehende Haare. Ein leises „Haallooo?“, kommt über seine Lippen. Keine Reaktion. Aus den Ecken ist ein Rascheln zu hören … huschendes Getrappel auf dem Holz … ein Fiepen ertönt… Stille… Der Eindringling schleicht sich mit ängstlich klopfendem Herz zu dem Schaukelstuhl. Seine Nackenhaare sträuben sich, Eiseskälte überzieht seinen Körper und bereitet ihm Gänsehaut. Vor ihm sitzt ein Skelett mit wenig Haaren. Das Gebiss des grinsenden Schädels hält eine Zigarette zwischen den Zähnen. Den dürren Hals ziert eine blutrote Samtfliege. Ein T-Shirt bedeckt die knöcherne Brust auf der eine Botschaft steht:“Bitte öffnen!“, ein dicker schwarzer Pfeil weist auf eine Kiste zwischen den skelettierten Händen. Seine Ängste beiseite schiebend und mit Vorfreude: „Mein Schatz!“, murmelnd greift er nach der Kiste.

Augenblicklich fällt bei der Berührung das Skelett in sich zusammen. Der Schädel kullert zu Boden und landet vor den Füßen des Schatzsuchers. Erschrocken springt dieser zur Seite. Mit zittrigen Händen öffnet er eiligst die Schatzkiste. Zum Vorschein kommt eine Schriftrolle. Er ergreift das vergilbte Papier und liest folgende Botschaft:

«Du hast dein Ziel erreicht. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag lieber G. und ein super tolles neues Lebensjahr!«

Juli 2017 AD

© by Angelika Depta

Veröffentlicht von Angelika Depta

Seit einigen Jahren verbringe ich meine Freizeit hauptsächlich mit schreiben. Bei der Schule für modernes Schreiben und der Schule des Schreibens habe ich mir das nötige Rüstzeug geholt um Kurzgeschichten zu schreiben. Nebenbei habe ich eine Schreibgruppe gegründet, die sich regelmäßig trifft. Eine meiner Lieblings Tätigkeiten ist als Testleserin mitzuwirken. Zurzeit arbeite ich an meinem ersten Fantasy Roman, den ich Jahr 2020 abschließen werde.

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